Chelsy ist ein Trio aus dem beschaulichen Mülheim an der Ruhr. Ein Städtchen, in dem man abseits des hektischen Treibens deutscher Großstädte lebt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum die Band einen zeitlosen Sound und eine tiefe Liebe zum klassischen Songwriting pflegt. Ohne unnötiges Posing oder vorgetäuschtes Pathos haben Chelsy einen Sound entwickelt, den man hierzulande nur selten hört.
Was sich auf dem Debütalbum zwischen folkigen Kleinoden und melodiösem Indie-Rock andeutete, nimmt nun auf dem zweiten Werk „Sweet Medicine“ (VÖ 29.1.2010) weiter Gestalt an: Die Konzentration aufs Wesentliche und das Abwerfen von unnötigem Ballast. Der Titel der Platte ist zugleich Programm. Wie ein dickflüssiger Hustensaft, der an kalten Wintertagen unsere kratzigen Stimmbänder umschließt, so schmiegen sich die Melodien der neuen Songs ins Ohr. Und da bleiben sie lange kleben. Sie sind Balsam für die Seele.
So puristisch die Instrumentierung, so eingängig sind die Melodien, die das Trio entwirft. Und trotz der exzellenten Produktion verlieren sie niemals ihre Ecken und Kanten. In Liedern wie "For my friends" darf man das Knarzen der Gitarrensaiten ruhig hören. Bei „Who needs words“ gehört nicht nur die Hammond B2 Orgel, sondern auch das Rauschen des alten Leslie-Verstärkers mit zum Klangbild. Das, was da aus den Boxen kommt, wirkt so unmittelbar, so authentisch und unaufgesetzt. Wenn Martin Arlo Kroll die Stimme erhebt, klingt das aufrichtig und ehrlich. Nach einer Leidenschaft für die Musik. Der Song "First LPs" erzählt die Geschichte eines Jungen, der neugierig und kindlich-naiv die Liebe zur Musik entdeckt, ohne einen industriellen Apparat dahinter zu vermuten. "That will be the way I will express everything one day", heißt es da voller Euphorie. Aus dieser Überzeugung heraus spielen Chelsy ihre Lieder.
